PV-Module bifazial: Vorteile, Nachteile & für wen es sich lohnt
PV Module bifazial sind eine innovative Lösung in der Photovoltaik, die immer häufiger zum Einsatz kommen. Ihre Fähigkeit, Licht nicht nur von der Vorder-, sondern auch von der Rückseite in Strom umzuwandeln, bietet zahlreiche Vorteile. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was PV Module bifazial genau sind, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen und für wen sich eine Investition lohnt. Ob Privatperson, Unternehmen oder Installateur – dieser Artikel gibt praxisnahe Tipps und fundierte Informationen für eine fundierte Entscheidung.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- PV Module bifazial erzeugen Strom von beiden Seiten und erhöhen so den Energieertrag.
- Sie sind besonders geeignet für Flächen mit reflektierendem Untergrund wie Sand, Schnee oder helle Dächer.
- Die höheren Anschaffungskosten machen sich bei günstigen Standortbedingungen durch bessere Renditen bezahlt.
- Technische Herausforderungen und Installationsaufwand sind höher als bei einseitigen Modulen.
- PV Module bifazial lohnen sich vor allem bei großen Freiflächenanlagen und bestimmten Gebäudetypen.
- Optimale Ausrichtung, Neigungswinkel und Untergrund sind entscheidend für den Erfolg.
- Im Vergleich zu klassischen PV-Modulen sind sie robuster, oft mit Glas-Glas-Aufbau.
- Wartung und Reinigung müssen angepasst werden, um Leistungseinbußen zu vermeiden.
Was sind PV Module bifazial? – Definition und Grundlagen
Der Begriff „PV Module bifazial“ beschreibt spezielle Solarmodule, die auf beiden Seiten zur Stromerzeugung genutzt werden können. Während herkömmliche Photovoltaikmodule nur auf der Vorderseite Sonnenlicht aufnehmen, besitzen bifaziale Module eine lichtdurchlässige Rückseite, meist aus Glas, wodurch sie zusätzlich indirektes Licht und Reflexionen aufnehmen. Die zusätzlichen Erträge aus der Rückseite können je nach Umgebung und Installation erheblich sein.
Diese Module bestehen häufig aus hochwertigem Glas-Glas-Verbund statt dem klassischen Glas-Kunststoff. Das erhöht die Langlebigkeit und Stabilität, macht sie aber auch etwas schwerer. Die Fähigkeit, von beiden Seiten Strom zu erzeugen, erfordert eine optimale Montage: Das Modul darf nicht zu dicht auf dem Untergrund montiert werden, um reflektiertes Licht gut einzufangen. Ebenfalls spielt der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung eine zentrale Rolle.
Wie funktionieren PV Module bifazial? – Schritt-für-Schritt erklärt
- Einstrahlung auf die Vorderseite: Wie bei klassischen Modulen wandelt das vordere Solarglas direktes Sonnenlicht in Strom um.
- Reflektion vom Untergrund: Helle oder reflektierende Oberflächen wie Schnee, Sand oder Kies reflektieren Sonnenlicht nach oben auf die Rückseite.
- Absorption durch die Rückseite: Die lichtdurchlässige Rückseite fängt dieses reflektierte Licht auf und wandelt es in weiteren Strom um.
- Zusammenführung der Leistung: Der erzeugte Strom beider Seiten wird kombiniert und über den Wechselrichter eingespeist.
- Optimierte Anordnung: Der Abstand zum Boden und der Neigungswinkel werden so gewählt, dass die Lichtreflexion maximiert wird.
Durch diese doppelseitige Nutzung können PV Module bifazial den Energieertrag gegenüber einseitigen Modulen um 10 bis 30 % steigern – abhängig vom Standort und der Montage.
Checkliste zur Planung von PV Modulen bifazial
- Standortanalyse: Prüfen Sie, ob der Untergrund reflektierend ist oder durch geeignete Materialien gestaltet werden kann.
- Modultyp wählen: Entscheiden Sie sich für Glas-Glas-Module mit hoher Rückseiten-Transparenz.
- Montageabstand: Planen Sie genügend Abstand zwischen Modulrückseite und Boden, meist mindestens 20 bis 30 cm.
- Ausrichtung und Neigung: Optimal ist eine Südausrichtung mit einem Neigungswinkel von 25 bis 35 Grad.
- Verschattung vermeiden: Achten Sie auf geringe Verschattung von Vorder- und Rückseite.
- Wartungskonzept: Berücksichtigen Sie erhöhte Anforderungen an Reinigung und Inspektion.
- Wirtschaftlichkeitsprüfung: Kalkulieren Sie Investitionskosten vs. zu erwartenden Mehrertrag.
Welche Vorteile bieten PV Module bifazial?
PV Module bifazial zeichnen sich durch mehrere Vorteile aus, die besonders für größere Anlagen oder bestimmte Standortbedingungen relevant sind. Der wichtigste Pluspunkt ist der erhöhte Energieertrag, da durch die Nutzung des Rücklichts deutlich mehr Strom als bei einseitigen Modulen erzeugt werden kann. Dies führt zu einer besseren Wirtschaftlichkeit bei optimaler Ausrichtung und geeigneter Umgebung.
Ein weiterer Vorteil ist die verbesserte Haltbarkeit. Durch den Einsatz von Glas auf beiden Seiten sind bifaziale Module mechanisch stabiler und weniger anfällig für Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit oder UV-Strahlung. Somit ist die Lebensdauer oft höher, was sich langfristig positiv auf die Bilanz auswirkt.
Darüber hinaus sind PV Module bifazial flexibel einsetzbar. Sie können auf Freiflächen, Flachdächern mit reflektierenden Oberflächen, Doppelcarports oder sogar als Fassadenverkleidung verwendet werden, sofern die Lichtverhältnisse passen.
Welche Nachteile haben PV Module bifazial?
Trotz vieler Vorteile gibt es auch einige Nachteile, die beim Einsatz von PV Modulen bifazial berücksichtigt werden sollten. Die höheren Anschaffungskosten sind ein wesentlicher Faktor. Der Materialaufwand für Glas auf beiden Seiten und komplexere Herstellung machen diese Module teurer als Standard-PV-Module.
Zudem erfordern sie eine präzisere Planung und Montage. Der Abstand zum Untergrund, die Ausrichtung und der gewählte Standort müssen sorgfältig abgestimmt sein, um den Mehrertrag zu realisieren. Bei falscher Installation kann der Nutzen sogar geringer als bei herkömmlichen Modulen ausfallen.
Ein weiterer Nachteil betrifft die Reinigung und Wartung. Da beide Seiten des Moduls aktiv sind, müssen auch Vorder- und Rückseite regelmäßig gereinigt werden, was insbesondere bei großen oder schwer zugänglichen Anlagen einen höheren Aufwand bedeutet.
Für wen lohnen sich PV Module bifazial?
PV Module bifazial sind vor allem für Nutzer interessant, die über geeignete Flächen mit reflektierendem Untergrund verfügen und bei denen eine optimale Ausrichtung möglich ist. Große Freiflächenanlagen in landwirtschaftlichen Betrieben oder Industrieparks sind typische Beispiele. Dort kann der Mehrertrag deutlich zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen.
Auch Flachdachbesitzer mit hellem Untergrund oder möglichkeit zur Nachrüstung von reflektierenden Materialien profitieren. In Privat- oder Mehrfamilienhaus-Bereichen, die südseitig gut ausgerichtet sind und ausreichend Platz bieten, kann der Einsatz sinnvoll sein, insbesondere wenn hoher Eigenverbrauch angestrebt wird.
Gering geeignet sind hingegen stark verschattete oder eng bebaute Standorte sowie Dächer mit dunklem, nicht-reflektierenden Untergrund. Hier können Standardmodule oft günstiger und einfacher installiert werden.
Praxisbeispiel: Mehrertrag durch bifaziale PV Module auf einer Freifläche
Ein Unternehmen plant eine Freiflächen-Photovoltaikanlage auf einem Kiesboden mit hoher Lichtreflexion. Die Installation von PV Modulen bifazial erfolgt in einem festgelegten Abstand von 30 cm zum Untergrund. Durch den reflektierenden Kiesboden wird zusätzliches Licht auf die Rückseite der Module gelenkt.
Im Vergleich zu einseitigen Modulen ergibt sich ein Mehrertrag von etwa 20 % während der Sonnenstunden. Dies bewirkt eine verkürzte Amortisationszeit trotz höherer Anfangsinvestitionen. Regelmäßige Reinigung sichert die optimale Leistung über die gesamte Lebensdauer. Dieser Mix aus Standortvorteil und optimierter Montage zeigt, wie bifaziale Module sinnvoll eingesetzt werden können.
Typische Fehler bei der Installation von PV Modulen bifazial und wie man sie vermeidet
- Fehlender Montageabstand: Ein zu geringer Abstand zwischen Modulrückseite und Oberfläche verhindert ausreichende Reflexion – immer Mindestabstand wählen.
- Ungeeigneter Untergrund: Dunkle oder unebene Flächen vermindern den Rückseitenertrag – ideal sind helle, reflektierende Materialien.
- Falsche Ausrichtung: Abweichungen von optimaler Südausrichtung verringern den Leistungszuwachs – exakte Planung ist notwendig.
- Vernachlässigung der Wartung: Rückseite wird oft vergessen – regelmäßige Reinigung auf beiden Seiten sichert maximale Leistung.
- Unzureichende Verschattungsanalyse: Schatten auf der Rückseite kann mehr Schaden anrichten als auf der Vorderseite – vollständige Verschattungsprüfung durchführen.
- Überschätzte Mehrerträge: Realistische Ertragsprognosen einholen und individuelle Standortbedingungen bewerten.
Methoden und Tools zur Planung von bifazialen PV-Modulen
Die Planung von PV Modulen bifazial erfordert spezielle Werkzeuge und Methoden, um die optimale Leistung sicherzustellen. Solarsimulationssoftware bietet umfangreiche Funktionen zur Modellierung von Einstrahlung, Reflexion und Verschattung. So lassen sich unterschiedliche Szenarien durchspielen und die Konfiguration individuell anpassen.
Zudem sind klassische Tools wie Neigungswinkelrechner oder Verschattungsassistenten hilfreich, um den Standort und die Modulposition präzise zu bestimmen. Für die Wirtschaftlichkeitsanalyse bieten Projektplanungsprogramme Möglichkeiten, die zusätzlichen Kosten gegen den erwarteten Mehrertrag abzuwägen.
Ingenieurtechnische Beratung und Standortbegehungen ergänzen die Methoden, um die besten Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von bifazialen PV-Modulen zu schaffen.
FAQ zu PV Modulen bifazial
Wie viel mehr Strom können PV Module bifazial erzeugen?
Der Mehrertrag variiert je nach Standort, Montage und Reflexionsbedingungen, liegt aber häufig zwischen 10 und 30 Prozent gegenüber Standardmodulen.
Welche Untergründe sind für bifaziale Module am besten geeignet?
Helle, reflektierende Untergründe wie Sand, Schnee oder helle Dachmaterialien verbessern die Rückseitenleistung sehr deutlich.
Kann ich bifaziale Module auf meinem Hausdach installieren?
Ja, sofern das Dach ausreichend reflektiv ist und genügend Abstand für den Lichtzutritt auf der Rückseite vorhanden ist. Eine individuelle Prüfung ist jedoch empfehlenswert.
Was kostet ein bifaziales PV Modul im Vergleich zu Standardmodulen?
Bifaziale Module sind in der Regel teurer in der Anschaffung, da sie aus hochwertigeren Materialien bestehen und komplexer gefertigt werden.
Wie hoch muss der Abstand zwischen Modulrückseite und Untergrund sein?
Typischerweise beträgt der Abstand mindestens 20 bis 30 Zentimeter, um ausreichend rückseitiges Licht einzufangen.
Müssen bifaziale Module anders gewartet werden?
Ja, beide Seiten sollten regelmäßig gereinigt und auf Verschmutzungen oder Schäden überprüft werden, um die volle Leistung zu erhalten.
Fazit und Nächste Schritte
PV Module bifazial bieten eine vielversprechende Technologie, um den Ertrag von Photovoltaikanlagen durch die Nutzung von Vorder- und Rückseitenlicht zu steigern. Die Entscheidung für oder gegen solche Module sollte auf einer sorgfältigen Standortanalyse, einer realistischen Wirtschaftlichkeitsprüfung und einer fachgerechten Planung basieren. Neben dem höheren Anschaffungspreis überzeugen sie insbesondere durch eine höhere Leistung und verbesserte Haltbarkeit.
Für Betreiber von Freiflächenanlagen, Flachdächern mit reflexionsfähigem Untergrund oder innovativen Baustilen können PV Module bifazial eine lohnende Investition sein. Für die nächsten Schritte empfiehlt es sich, eine professionelle Beratung einzuholen, die Standortbedingungen zu prüfen und ggf. mit Simulationstools die optimale Auslegung der Anlage zu ermitteln.
Mit diesen Informationen sind Sie bestens gerüstet, um die Vorteile und Anforderungen von bifazialen Photovoltaikmodulen einzuschätzen und Ihre eigene PV-Anlage effizient zu gestalten.

